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Radio-Interview mit Siegfried Haider u.a. zum Thema „Offenlegung der Honorareinkünfte von Politikern“

20. Oktober 2012

Hier die Abschrift des Interviews:

Dominik Eichmann: Wie hoch sind denn diese Honorare, die an die Spitzenpolitiker gezahlt werden? Wie viel verdient z.B. ein begehrter Mann wie Joschka Fischer oder Gerhard Schröder?

Siegfried Haider: Letztendlich hängt es immer mit der Bekanntheit eines Politikers zusammen. Frühere Kanzler oder Minister haben natürlich ein sehr hohes Honorar, insbesondere wenn sie international bekannt sind. Ein Gerhard Schröder und ein Joschka Fischer liegen sicherlich in einem 5-stelligen Bereich so zwischen 40-80.000 EUR. Wobei man dazusagen muss, dass ein solcher Politiker nie ein ganz klassisches Honorar hat, das immer gezahlt wird, sondern er sich vorher immer anschaut, wer ihn anfragt, für was er hinfährt, wie groß der Aufwand ist,… und dann sein Honorar festmacht. Politiker wie Steinbrück liegen eher so zwischen 10-20.000 EUR pro Vortrag – immerhin auch noch stattlich, aber im Vergleich zum Internationalen eigentlich eher noch ein geringes Honorar.

Eichmann: Wer ist denn international der teuerste Redner auf dem Markt?

Haider: Aufgrund dessen, dass es keine Standardhonorare gibt, kann man das nicht pauschal sagen. Aber da gehören sicher die richtig großen Ex-Präsidenten wie Bill Clinton und Jimmy Carter und solche Leute dazu. Amerika hat generell höhere Honorare als wir in Europa, deswegen sind die amerikanischen Ex-Politiker generell auch höher bezahlt als die Deutschen oder auch Europäische. Auch wenn man in Richtung England schaut – so Leute wie der Ex-Premierminister Toni Blair – gehören definitiv dazu.

Eichmann: Was hat denn nun ein Unternehmen bzw. der Kunde davon, dass ein Politiker wie Steinbrück bei ihm auftritt? Warum zahlen Unternehmen so hohe Summen? 10-oder 40.000 EUR ist ja doch eine Menge Geld.

Haider: Solche Politiker werden normalerweise nicht Mitarbeitern angeboten im Rahmen einer Schulungsveranstaltung. Es sind vielmehr Kunden, die eingeladen werden. Und die Firma, die das durchführt, fragt sich ja immer, wie kriege ich diese Kunden am leichtesten in den Saal. Da sind solche sehr bekannten Persönlichkeiten, die vielleicht noch den Anschein erwecken, dass sie einen Blick hinter die Kulissen der Politik, der Unternehmerwelt oder der Sportwelt ermöglichen, natürlich sehr begehrte Leute. Und diese Attraktivität eines solchen sehr Bekannten ist einer der Hauptgründe, warum soviel Geld bezahlt wird. Weil der Gegenwert nichts anderes ist als 500, 700 oder 1000 Leute im Saal, denen man als Firma dadurch etwas Gutes tun kann. Der zweite Grund ist sicher der Prestigefaktor, dass man sich mit einer bekannten Persönlichkeit wie Steinbrück schmückt. Als Bürger weiß ich oder vermute, dass wenn Steinbrück bei einer Firma auftritt, dieser vorher genau geprüft hat, ob die Firma in Frage kommt und ob sie seriös und vertrauensbildend ist. Und gerade die Bankenwelt hat in letzter Zeit ein Vertrauensproblem – da sind solche Politikerbesuche natürlich ein schönes Zeichen zu sagen: „Der kommt zu uns, schau, wir sind in Ordnung.“

Eichmann: Wenn es um einen Politiker wie z.B. Peer Steinbrück geht, der noch in Amt und Würden ist – im weitesten Sinne ist er ja noch aktiv gewesen, als er diese Reden gehalten hat – hofft man dann als Unternehmen, dass so ein Politiker künftig, wenn er wieder Einfluss haben wird, vielleicht als Kanzler, im Sinne dieses Unternehmens entscheiden wird?

Haider: Wie in jeder Wirtschaftsbeziehung ist man dem, mit dem man Geschäfte macht, natürlich irgendwo verbunden. Das heißt aber noch lange nicht – und dagegen wehre ich mich auch im Rahmen und im Namen der Branche – dass ein hohes Honorar automatisch gleich den Verdacht aufwirft, da tut jemand einem deswegen einen Gefallen. Ich glaube, gerade Politiker sind in den letzten Jahren sehr sensibel geworden. Das war früher noch anders, z.B. zu Franz-Joseph Strauss Zeiten, da waren die Regeln noch nicht so klar gezogen wie heutzutage. Aber ich bin davon überzeugt, dass man gerade bei Herrn Steinbrück nicht aufgrund seiner hohen Honorare vermuten kann, dass er früher einen Gefallen getan hat oder zukünftig deswegen einen Gefallen tut.

Eichmann: Würden Sie den Vorwurf, dass man auf jeden Fall korrumpierbar wird, wenn man hohe Honorare annimmt, auf jeden Fall zurückweisen?

Haider: Den würde ich definitiv entschieden zurückweisen. Noch dazu hat ein Herr Steinbrück und auch die anderen, die weit höher liegen, keine hohen Honorare im Sinne der Branche verlangt. Die Honorare, die auch Herr Steinbrück verlangt hat, waren für das, was er mitbringt, was er und seine Historie ist, absolut im Rahmen. Deshalb hat er nicht überzogen und deshalb ist der Verdacht der Korrumpierbarkeit völlig an den Haaren herbeigezogen.

Eichmann: Die Politik streitet ja gerade darüber, ob man die Honorare offenlegen soll oder nicht oder ob zuviel Transparenz auch wieder zu weit geht. Was ist Ihre Position dazu?

Haider: Man muss immer davon ausgehen, wen man im Bundestag sitzen haben will. Das ist die Grundfrage. Und wenn man bestimmte Leute für ein Amt begeistern will, muss man die Rahmenbedingungen richtig setzen. Ich möchte keinen Bundestag, in dem wir nur Lehrer und Beamte haben, die sich freuen, hohe Bundestagssalairs zu bekommen. Ich möchte auch Leute, die aus anderen Branchen, z.B. aus der Wirtschaft, kommen. Jetzt ist Herr Steinbrück ja beispielsweise jemand, der meines Wissens nie richtig lang in der Wirtschaft war, vielleicht sogar gar nicht, denn er hat glaub ich als Staatssekretär oder als Beamter schon begonnen. Deshalb ist mir grad bei diesen Leuten wichtig, dass sie z.B. über solche Vorträge den Kontakt zur Wirtschaft suchen, wissen, was dort läuft, sensibel auf das sind, was drückt und wo die Probleme sind. Ich wünsche mir solche Leute und deshalb müssen wir das erlauben. Wir können einem Anwalt und einem Volkswirt und einem der wie z.B. auch ich, wenn ich mich für diesen Job entscheiden würde, seine Firma einfach liegen lässt und 5 Jahre im Bundestag sitzt, nicht verbieten, sozusagen die Vergangenheit abzuschneiden und für die Zukunft ein Loch entstehen zu lassen. Ich möchte meine Firma auch weiterlaufen lassen, wenn ich Abgeordneter bin. Und ich glaube, die Lösung des ganzen Problems ist wie in der Wirtschaft auch: Wenn eine Nebentätigkeit angestrebt wird, muss sie zeitlich begrenzt werden. Sie muss mit dem Arbeitgeber, in dem Fall dem Bundestag, abgesprochen werden und beim Abgeordneten sag ich natürlich schon, die Höhe und der Bezahler muß bekannt sein. Nicht der Öffentlichkeit, sondern dem Aufsichtsorgan, wenn man so will. Man kann auch darüber diskutieren, sie in der Höhe zu begrenzen, aber ganz ehrlich, das ist in der Praxis sehr sehr schwierig.

(Interview in Radio Orange mit Dominik Eichmann)

Ihr

Siegfried Haider

Speaker – Trainer – Coach – Berater – Autor
Experte für Helium-Marketing, erfolgreiche Positionierung und einfach mehr Umsatz
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